Wie vielschichtig Orchestermusik sein kann, demonstrierte die Blaskapelle Isen eindrucksvoll beim Frühjahrskonzert in der Schulturnhalle.
Isen – Am Ende gab es nicht nur vom begeisterten Publikum einen großen Applaus, sondern auch von der musikalischen Leiterin Regina Gaigl. Bei ihrer launigen Begrüßung hatte die zweite Regina der Führungsriege, Regina Kellner, ihren „bunt gemischten Haufen mit demselben Ziel“ vorgestellt. Man sei allein schon beruflich breit aufgestellt, „von der Zahnärztin bis zur Triebwerksmechanikerin“.
Hoch
motiviert legte das Orchester mit dem Konzertmarsch „Kaiserin Sissi“
einen Bilderbuchstart hin. Markant unterlegt wurde der Klangteppich vom
Kontrabass, schwungvoll gespielt von Simone Riepl. Die ganze Dramatik
des Romans „Moby Dick“ war im Anschluss spürbar, Gänsehaut inklusive.
Die fünf Szenen „Of Sailors and Whales“ verlangten den 64 Musikern alles
ab. Rhythmus- und Tempowechsel erforderten Konzentration und lösten
einen feurigen Disput zwischen den Registern aus.
Wem
das zu viel Spannung war, der wurde mit der Serenade von Derek
Bourgeois und heiteren, beschwingten Melodien aus „My Fair Lady“
entschädigt. Mit Witz und Routine führten Gerti Jell und Lukas Fichtner
durch das zweistündige Programm. Das Medley aus dem Disney-Film
„Aladdin“ wurde passend mit Wunderlampe und kostümiert anmoderiert.
Überhaupt
ist der Spaß an Musical- und Film-Musik dem Orchester förmlich
anzusehen. Auch beim Stück „Baba Yetu“, das ganz dem Flöten-Register
vorbehalten war, wagte man sich an einen Titelsong, diesmal aus dem
Strategiespiel „Civilization IV“. Was Boomwackers sind, wurde dem
staunenden Publikum mit einer Einlage vorgeführt: Den bunten
Kunststoffröhren entlockte man gekonnt die Melodie zu „Pink Panther“.
Eine
kleine Instrumenten-Kunde zum Thema Saxophon gab es vor dem Stück
„Saxpack“ von Otto M. Schwarz. Hier verausgabte sich Andreas Scheibner
als Solist gleich an zwei Instrumenten und zeigte, dass er Jazz im Blut
hat. Als weitere Solistin ist Helena Fichtner hervorzuheben. Ihre
Wohlfühlstimme passte trefflich zu „Feeling Good“ von Anthony Newly.
Dass sie gesanglich auch mit ihrem Bruder Lukas harmoniert, zeigte
Fichtner bei der Zugabe, dem Song „Don’t Stop Believing“ der Band
Journey. Zuvor durfte bei 80er-Kultsongs von „Skandal im Sperrbezirk“
bis „Sternenhimmel“ mitgewippt und nicht nur heimlich mitgesungen
werden.
Weitere Aufführungen des Frühjahrskonzerts gibt es am Freitag, 12. April, und Samstag, 13. April, jeweils um 20 Uhr.
Ein krönender Abschluss ihres Festjahres zum 60-jährigen Bestehen gelang der Isener Blaskapelle mit einem Bayerischen Abend. Die zwei Vorstellungen im Klement-Saal waren mit jeweils 350 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft.
VON ALBERT ZIMMERER
Isen
– Nachdem zwei Jubiläums-Veranstaltungen dem Regen zum Opfer fielen,
passte diesmal alles. Die Stimmung vor und auf der Bühne war geradezu
überschwänglich. Den Mitwirkenden sah man den Spaß am Spielen an und der
Zusammenhalt innerhalb der Kapelle wurde hörbar. Wie 2014 und 2016
bewiesen die Organisatoren um Regina Kellner und Regina Gaigl wieder ein
glückliches Händchen mit der Programmgestaltung. Das Konzept mit drei
Bühnen und mehreren Ensembles sorgte für nahtlose Übergänge und
eröffnete den jungen Musikanten den nötigen Raum, um ihre Vielfalt
aufblühen zu lassen.
So durften
sich die einzelnen Register mit jeweils eigenen Stücken auf den beiden
Nebenbühnen beweisen, ob als derbes Blechquintett, flottes Holzquintett,
filigranes Flötenquartett oder zünftige Altbayerische Kapelle. Das
„Böhmische“ Ensemble startete schwungvoll mit der Polka „Nechod k nam“
von Josef Konecny, übersetzt „Es ist schön, bei euch zu sein“. Noten und
Text waren im Programm abgedruckt und luden die Zuschauer zum Mitsingen
ein, ebenso beim Stück „Böhmischer Traum“ von Norbert Gälle.
Auf
der Hauptbühne zeigte die Blaskapelle unter der Leitung von Regina
Gaigl ihre hohe Qualität als Konzertkapelle, vor allem beim Stück „Auf
einem persischen Markt“. Höhepunkt des zweiten Teils war die Valentinade
„Das Clownsduett“. Hier stellten Regina Kellner und Leni Fichtner
einmal mehr ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Das Duett mit den
Okarinas gelang dabei erst nach diversen Hürden.
Schmunzeln
durfte man auch beim Handy-Song, den Sebastian Schart mit einem
Augenzwinkern vortrug, ebenso wie bei den „Isener Dirndln“. Helena und
Sarah Fichtner sowie Tanja Lechner und Maria Gfüllner überzeugten mit
„Bayernland“ auch gesanglich.
Durch
das Programm führten Gerti Jell und Franz Windshuber mit Witz und
Charme. Als kleines Dankeschön wurde zum Abschluss den beiden Reginas,
Kellner und Gaigl, jeweils ein originelles T-Shirt überreicht. Der
Spruch darauf lautete „Extra Bavariam non est vita, et si est vita, non
est ita“ und wird dem Vater der bayerischen Geschichtsschreibung
Aventinus zugeschrieben. Prompt wusste jemand aus dem Publikum die
Übersetzung „Außerhalb von Bayern gibt’s kein Leben. Und wenn doch, dann
kein solches.“
Nach dem gemeinsam
gesungenen „Kein schöner Land“ traten die Konzertbesucher gut gelaunt
den Heimweg an. Ein Besucher sprach mit seinem Lob sicher allen aus dem
Herzen: „Richtig guad gmacht!“
Andreas Scheibner holte sich mit seinem Alt-Saxophon das Leistungsabzeichen.
Isen–Hätte man darauf wetten können, wer bei der Isener Blaskapelle das nächste Gold holt, er wäre ein sicherer Tipp gewesen. Das heiß begehrte Leistungsabzeichen holte sich erwartungsgemäß Andreas Scheibner mit seinem Alt-Saxophon.
Der 22-jährige Isener tat es damit seinen älteren Brüdern Sebastian (Klarinette) und Florian (Flöte) gleich. Dabei ist die Prüfung an der Musikakademie Marktoberdorf beileibe kein Selbstläufer. Dem Saxophonisten kam zugute, dass er exakt nach dem Frühjahrskonzert seinen Termin hatte und so präpariert war.
Bereits in der Grundschule spielte Andreas Flöte und ließ sich von seinen Brüdern motivieren, in die Blaskapelle einzutreten. Damals war er zehn Jahre alt. Mittlerweile ist er fester Bestandteil des Hauptorchesters. Seine Saxophon-Soli beim Frühjahrskonzert sind den Zuhörern in bester Erinnerung. Er selbst schwärmt für die Band Haindling.
Ein „tolles Erlebnis“ hatte Andreas im Alter von 16 Jahren, als er ein Jahr in South Dakota in den USA verbrachte. Zunächst fühlte er sich „wie ins kalte Wasser geworfen“. Dank der freundlichen Gastfamilie fasste er aber schnell Fuß und lernte viel.
Die meiste Zeit verbringt das junge Talent momentan an der TU München, wo er Mathematik studiert und nächstes Jahr seinen Bachelor-Abschluss ablegt. Für die Feierlichkeiten der Blaskapelle Isen, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen begeht, hat der Goldjunge aber genügend Zeit eingeplant. Die nächsten Auftritte sind am Volksfest-Sonntag, 1. Juli, beim musikalischen Frühschoppen und am 21. Juli bei der Langen Nacht der Musik im Meindl-Park. az